Rhönklub Melkers

 



Wer mit uns wandert, kann was erleben...



 

Wanderung auf dem Hofteichweg im Kulturlandschaftspark Oberes Werratal

Die Wanderfreunde vom Zweigverein Melkers waren am 8. März mit zahlreichen Gästen im Kulturlandschaftspark Oberes Werratal unterwegs in Begleitung des Wegewarts Ulrich Ganß, der den Hofteich-Rundweg gekennzeichnet hat. Dieser wird als mittelschwer eingeschätzt und führt über 10 km durch lange Täler und über Höhen. Die Tour begann an der Steinbrücke in Belrieth.

Zur Einleitung gab es eine Information zum Ort Belrieth.

Der Ortsname soll von einem gewissen Belo stammen, der sich hier im sumpfigen Gebiet, in einem Rieth, niederließ. In einer Urkunde aus dem Jahr 840 von Kaiser Ludwig dem Frommen wird der Ort als „Belliroth“ erwähnt. Links der Werra befindet sich das ältere Belrieth. Aus dem einstigen Herrenhaus war zunächst eine Burg geworden, später ein Gutshof. Weitere historische Gebäude sind die Mühle,die Kirche, das Wirtshaus,die Schule und das Pfarrhaus. Leider wurde vor 20 Jahren das Gutshaus mit seinen Scheunen und Stallungen abgetragen.

Rechts der Werra steht der jüngere Teil des Ortes. Durch Erbfehden der Grafen von Henneberg wurde der Nachbarort Bitthausen 1379 eingeäschert. Die Bewohner siedelten sich hier in Belrieth an. Flurnamen wie Bitthäuser Graben, Bitthäuser Berg und Quellen sind noch vorhanden. Beide Ortsteile, das Hübedorf und das Selldorf, wurden 1578 mit einer Steinbrücke verbunden. Sie führt mit 5 Bögen 47 Meter über Mühlgraben und Werra. 1993 wurde die Brücke einer grundhaften Rekonstruktion unterzogen. Bei den Bauarbeiten hat man ein Antoniuskreuz gefunden, welches einem Bauopfer galt. Es hat einen würdigen Platz an der Steinbrücke mit der historischen Substanz gefunden.

Die 39 Wanderer erkundeten nun den geschichtsträchtigen Hofteichweg. Schon hinter der Bahnlinie wird auf eine alte Siedlungsstätte hingewiesen. Auf dem Felde fand man viele Scherben aus der Zeit der Schnur- und Bandkeramiker. Der Museumsdirektor Erich Marquardt veranlasste daraufhin Stichgrabungen und fand in der Erde Rückstände von Pfahlbauten. Der Bitthäuser Graben führte weiter an der Wüstung und an den Quellen vorbei auf die Höhe zum Hofteich. Vor zwei Jahren wurde hier ein Kreuz aufgestellt, es soll an die Bewohner vom Hofteich erinnern, die hier gearbeitet und gelebt haben. Eine Schautafel zeigt das Gehöft und gibt Informationen. Der Hofteich wurde 1169 zusammen mit dem Gut in Belrieth erwähnt. Die Fläche diente dem Ackerbau und der Viehzucht. Im 30-jähr. Krieg wurde alles zerstört. Erst 1740 hat der Gutsbesitzer Levi von Ilten das Berggut wieder angelegt. Danach sah der Hofteich im Laufe der Zeit viele Besitzer und Pächter. Sie hatten auch das Schankrecht erkauft. Für die umliegenden Orte war es ein Ausflugsziel. In den letzten Jahren wurde das Gut und Land von der LPG genutzt.

Strom und Telefon verbesserten das Leben auf dem Hof. Leider verfiel mit den Jahren das Anwesen und es durften keine Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die große Scheune war noch in einem guten Zustand und fand einen neuen Platz im Museumsgelände von Kloster Veßra. Der Teich in der Mulde ist noch immer gut erkennbar.. Jedes Jahr zu Himmelfahrt treffen sich viele Gäste auf dem Hofteich. Die Gemeinde Belrieth organisiert und bewirtet die Leute.

Der Weg führte weiter auf der Höhe zu den Hügelgräbern aus der Zeit zwischen 1600 – 1200 v.u.Z. 24 Hügelgräber gibt es im Wald. Das größte Hügelgrab mit einem  Durchmesser von 15m wurde ebenfalls von Erich Marquardt geöffnet. In einem runden Steinwall fand man acht Skelette und einige Grabbeilagen aus Bronze. Stoffreste aus einer hochwertigen Schafwolle belegen die Schafzucht. Auch Pollen wurden untersucht. Es wuchsen hier Buchen, Eichen und Haselsträucher.

Ganz in der Nähe befindet sich das älteste Steinkreuz von Südthüringen. Im Jahre 1610 muss an dieser Stelle ein Mann aus Rohr umgekommen sein. Auf dem Grenzweg waren zahlreiche Grenzsteine zu sehen, die aus dem 17. Und 18. Jahrhundert stammen und Flur – und Landesgrenzen markieren. Der Dreiherrnstein bezeichnet das Zusammentreffen von drei Ortschaften, und zwar Belrieth, Rohr und Ellingshausen.

Der letzte Anlaufpunkt war ein geologisches Denkmal. Das Halsbergloch, das seit 1983 unter Denkmalschutz steht, ist eine 8 m tiefe Kluftenspalte.

Nach so vielen Informationen aus der Geschichte vieler Epochen und dem Marsch durch die Vorfrühlingslandschaft kehrten die Wanderer hungrig ins Werratal zurück.

Ein gutes Mittagessen im Landgasthof Belrieth war der erfolgreiche Abschluss der Wanderung.

Meta Hahm