Rhönklub Melkers

 



Wer mit uns wandert, kann was erleben...

Wanderung in Bedheim


Denkmale sind das, was von unserer Kultur bleibt…

„Denkmale sind mehr als nur Steine – sie erzählen dem, der sich mit ihnen auseinandersetzt, ihre Geschichte und Geschichten und schaffen eine lebendige Verbindung von der Vergangenheit bis in die Zukunft.“ So steht es in einer kleinen Broschüre, herausgegeben von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz.

Ob sich diese Behauptung bewahrheitet, dafür interessierten sich vergangenen Sonntag 24 Mitglieder des Rhönklub ZV Melkers in Bedheim und Umgebung. Ziel des Wandertages war das kleine Schlösschen in Bedheim, ein Kleinod im Grabfeld, welches zu DDR – Zeiten als Schule genutzt wurde und deshalb für die Allgemeinheit unzugänglich war.

Das Schloss und Rittergut Bedheim ist eine fast vollständig erhaltene Gutshofanlage. Der älteste Teil stammt aus der Renaissance und ist ca. 500 Jahre alt, der mittlere mit dem aufwändig restaurierten Portal aus dem Barock bzw. Rokoko. Zusammen mit der Kirche, den Nebengebäuden und einer sich in der Nähe befindlichen Mühle handelt es sich bei der Anlage um eine Wehrburg.

Seit 1778 befindet sich das Gutshofensemble im Besitz der Familie Rühle von Lilienstern und wird heute noch von den Nachfahren bewohnt. Die Vorsitzende des Fördervereins Schloss Bedheim e.V., Frau Astrid Rühle, empfing die Wandergruppe im Schlossgarten und hielt einen kleinen Vortrag über die Geschichte des Schlosses. Besonderes Augenmerk galt dem Arzt und Paläontologen Hugo Rühle von Lilienstern, der 1935 in einem Nebengebäude ein paläontologisches Museum mit den Saurierfunden des Gleichberggebietes einrichtete. Diese Ausstellung galt als bedeutendste paläontologische Privatsammlung Europas. Sie enthielt u.a. einen mittelgroßen theropoden ( fleischfressenden ) Dinosaurier, der nach ihm „ Liliensternus“ benannt wurde. Die Sammlung befindet sich heute im Naturkundemuseum in Berlin.

Nach der Besichtigung der Außenanlagen ging es ins Schloss. Da dieses als Denkmal von überregionaler Bedeutung von der Bundesregierung gefördert wird, nimmt der Innenausbau nach und nach Formen an, denn der Bau hat in DDR – Zeiten sehr gelitten und war dem Zerfall nahe. Durch Spendengelder, Einkünfte aus der Schlossgärtnerei, dem Café und vor allem durch die Arbeit des Architekten Florian Kirfel – Rühle, dem jetzigen Schlossherrn und Sohn von Astrid Rühle, macht die Instandsetzung Fortschritte, sodass die Kultur wieder einziehen kann. Konzerte, Lesungen, Ausstellungen u.v.a. mehr finden regelmäßig in den historischen Räumen statt.

Besonders beeindruckend war der Besuch der Schlossgärtnerei. In ihr arbeiten Menschen mit den verschiedensten Einschränkungen, Suchtkranke oder auch Behinderte, die in diesem „ Lebensgarten“ wieder eine Aufgabe gefunden haben und durch Pflegearbeiten und Erntehilfe beitragen, ökologisch wertvolle Lebensmittel zu erzeugen.

Das Schlösschen Bedheim hat den Wanderern viel über die lebendige Verbindung von Vergangenheit zur Zukunft bewusst gemacht, aber es war ja nicht das einzige Denkmal, welches auf der Wanderung geplant war. Also machte sich die Gruppe erneut auf dem Weg, diesmal Richtung Stressenhausen. Die Tour verlief an der ehemaligen Bahnlinie entlang, zwischen Wiesen und Feldern, vorbei am Kapellenberg, dem Mittagsmahl im Gasthaus „Stricker“ entgegen. Nach ausgiebiger Stärkung begann der zweite Teil der Route.

Nach einem moderaten Anstieg, der auf Grund der Schwüle ziemlich schweißtreibend war, erreichte die Gruppe das zweite Denkmal des Tages – eine stillgelegte Bahnstrecke. Sie war eine „ Meiningsche Staatsbahn“, finanziert vom Herzogtum Sachsen – Meiningen. Die Teilstrecke Hildburghausen – Heldburg tangierte auf dem Weg nach Bedheim Stressenhausen. 1946 begann die Demontage der Bahnstrecke im Rahmen der Reparationsleistungen an die Sowjetunion. Eine Informationstafel mit Bild – und Textmaterial und ein kurzer Schienenstrang mit einem Puffer sollen die  Besucher an diese Trasse erinnern und verdeutlichen, dass auch solche Denkmale zur Geschichte gehören.

Bevor es durch den Wald zurück nach Bedheim ging, bewunderten die Wanderer den herrlichen Ausblick ins Grabfeld. Das Wetter erlaubte eine weite Sicht, und so konnte man den Straufhain mit seiner Burgruine, den Georgsturm bei Rodach und sogar die Veste Coburg ohne Fernglas erkennen.

Wieder zurück in Bedheim ließ die Gruppe den Wandertag im Schlosscafè ausklingen.

Allen ist klar geworden, Denkmale sind Zeugnisse unserer künstlerischen Schaffenskraft, unserer Geschichte und sind das, was von unserer Kultur bleibt und was wir an zukünftige Generationen weitergeben. Und das ist eine Verbindung zwischen der Vergangenheit bis in die Zukunft.

Maritta Städtler